Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit fast 2 Milliarden Menschen von einer Anämie betroffen – und die häufigste Ursache ist Eisenmangel. Viele merken jahrelang nichts davon: Ständige Müdigkeit, blasse Haut oder Atemnot beim Treppensteigen werden oft als „das ist eben so“ abgetan – dabei sendet der Körper hier ein klares Signal.
Wenn dein Arzt oder deine Ärztin die Diagnose „Anämie“ gestellt hat – oder du selbst den Verdacht hast, dass etwas nicht stimmt – wird die Ernährung zu einem der wichtigsten Werkzeuge auf dem Weg zurück zu mehr Energie.
Wichtig zu wissen: Eine eisenreiche Ernährung ersetzt keine ärztliche Behandlung. Wurden dir Eisenpräparate verschrieben, solltest du sie nicht „aus Prinzip“ gegen eine rein natürliche Ernährung eintauschen. Die richtige Ernährung kann die Erholung aber deutlich beschleunigen, die Eisenaufnahme verbessern und helfen, den Eisenspiegel nach der Therapie zu halten.
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Die Grundprinzipien der Ernährung bei Eisenmangelanämie
Bevor wir zu konkreten Lebensmitteln kommen, lohnt sich ein Blick auf die Logik dahinter. Ohne diese Grundlagen wird eine Liste „gesunder Lebensmittel“ schnell zu einem unübersichtlichen Sammelsurium, das sich im Alltag kaum umsetzen lässt.
Prinzip 1: Eisen gehört täglich auf den Teller – nicht nur ab und zu
Eisenspeicher bauen sich langsam wieder auf – das dauert Monate, selbst bei optimaler Ernährung und medikamentöser Unterstützung. Eisenreiche Lebensmittel sollten deshalb täglich auf dem Speiseplan stehen, nicht nur „wenn du gerade Lust hast“ oder alle paar Tage.
Eine einfache Faustregel: Jede Hauptmahlzeit – Mittag- oder Abendessen – sollte mindestens eine Eisenquelle enthalten.
Prinzip 2: Eisen aus Fleisch und Eisen aus Pflanzen sind nicht dasselbe
Es gibt zwei Arten von Nahrungseisen:
- Häm-Eisen – enthalten in Fleisch, Geflügel und Fisch. Der Körper nimmt davon 15–35 % auf – von 100 mg landen also real 15 bis 35 mg im Blut.
- Nicht-Häm-Eisen – enthalten in pflanzlichen Lebensmitteln wie Spinat, Hülsenfrüchten und Getreide. Hier werden nur 2–10 % aufgenommen – 3- bis 5-mal weniger.
Das heißt nicht, dass pflanzliche Quellen „nutzlos“ sind: Sie sind wichtig, brauchen aber die richtige Kombination mit Vitamin C, damit sich ihr Eisen für den Körper „erschließt“.
Prinzip 3: Vitamin C ist der unverzichtbare Partner von pflanzlichem Eisen
Vitamin C wandelt pflanzliches Eisen in eine Form um, die der Darm ins Blut „einlassen“ kann. Ohne Vitamin C zieht pflanzliches Eisen fast wirkungslos durch deinen Körper – wie eine Pfandflasche ohne Pfandsiegel: Sie hat einen Wert, aber niemand kann ihn einlösen.
Praxistipp: Gib zu Buchweizengrütze, Linsen oder Spinat immer etwas Saures dazu – Zitronensaft, Paprika, Tomate – oder trink ein Glas Orangensaft dazu.
Prinzip 4: Koffein und Milchprodukte gehören nicht auf denselben Teller wie Eisen
Stoffe in Kaffee, Tee und Milch „greifen“ Eisen und lassen es nicht mehr los – es verlässt den Körper wieder, ohne je ins Blut gelangt zu sein. Wie eine Münze, die in eine verschlossene Spardose fällt: Sie ist zwar noch da, aber du kommst nicht mehr dran.
Das heißt nicht, dass du komplett auf Kaffee verzichten musst. Halte einfach 1–2 Stunden Abstand zwischen Kaffee, Tee oder Milch und eisenreichen Mahlzeiten.
Prinzip 5: Vielfalt statt Superfood
Es gibt kein einzelnes Lebensmittel, das eine Anämie „heilt“. Leber ist eine hervorragende Eisenquelle, sollte aber wegen des hohen Vitamin-A-Gehalts nicht täglich auf dem Teller landen. Spinat ist gesund, enthält aber Oxalate – Stoffe, die Eisen im Darm „abfangen“ und seine Aufnahme erschweren. Der Schlüssel ist ein abwechslungsreicher Speiseplan aus verschiedenen eisenreichen Lebensmittelgruppen.
Was du bei Anämie essen solltest – und worauf du besser verzichtest
Empfohlene Lebensmittel
| Lebensmittelgruppe | Beispiele | Warum empfehlenswert | Portion / Hinweis |
|---|---|---|---|
| Rotes Fleisch | Rind, Kalb | Reichste Quelle für gut verwertbares Häm-Eisen | 100–150 g, 3–4× pro Woche |
| Innereien | Rinder-/Hühnerleber, Nieren | Leber liefert 6–9 mg Eisen pro 100 g – entspricht 3–4 Portionen Spinat in einer Mahlzeit | 1–2× pro Woche, wegen Vitamin A nicht öfter |
| Geflügel | Dunkles Hühnerfleisch, Pute | Häm-Eisen, wenn auch weniger als bei Rind | 100–150 g, gerne öfter |
| Fisch & Meeresfrüchte | Thunfisch, Sardinen, Austern, Muscheln | Austern: bis zu 7 mg pro 100 g; Fisch liefert gut verwertbares Häm-Eisen | 2–3× pro Woche |
| Hülsenfrüchte | Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Erbsen | Linsen: bis zu 3,3 mg pro 100 g; pflanzliches Eisen + viel Folsäure | 100–150 g gekocht, mit Zitronensaft oder Paprika |
| Getreide | Buchweizen, Haferflocken, Amaranth | Buchweizen: 2,2 mg pro 100 g; Amaranth ist Spitzenreiter unter den Getreidesorten | Täglich als Beilage oder Brei |
| Gemüse & Blattgrün | Spinat, Grünkohl, Brokkoli | Pflanzliches Eisen + Vitamin C aus Brokkoli/Kohl verbessert die eigene Aufnahme | Frisch oder leicht blanchiert |
| Nüsse & Kerne | Kürbiskerne, Sesam, Cashews | Kürbiskerne: 8,8 mg pro 100 g; praktischer Snack | Eine Handvoll (30 g) täglich |
| Trockenfrüchte | Aprikosen, Pflaumen, Rosinen | Eisen + natürlicher Zucker für Energie | 30–50 g täglich |
| Eier | Hühnereier (v. a. Eigelb) | Nicht-Häm-Eisen + Vitamin D, einfach in der Zubereitung | 1–2 Eier täglich |
Was du einschränken oder meiden solltest
| Lebensmittel | Grund | Einschränkung | Alternative |
|---|---|---|---|
| Kaffee | Blockiert die Eisenaufnahme – selbst eine Stunde vor dem Essen getrunken | ⚠️ 1–2 Std. Abstand zu eisenreichen Mahlzeiten | Kräutertee, Zitronenwasser |
| Schwarzer & grüner Tee | Inhaltsstoffe „fangen“ Eisen ab und verhindern die Aufnahme | ⚠️ Gleiche Regel: 1–2 Std. Abstand | Hagebuttentee – liefert zusätzlich Vitamin C |
| Milch & Milchprodukte | Kalzium konkurriert mit Eisen um die Aufnahme | ⚠️ Getrennte Mahlzeit einplanen | Milch als Zwischenmahlzeit |
| Weizenkleie (große Mengen) | Bindet Eisen im Darm; Einweichen/Fermentieren senkt den Gehalt | ⚠️ In Maßen genießen | Buchweizen, Reis, eingeweichter Hafer |
| Alkohol | Schädigt die Darmschleimhaut, verschlechtert die Aufnahme aller Nährstoffe | ❌ Während der Behandlung strikt meiden | — |
| Fast Food & Fertiggerichte | Blockierende Stoffe, kaum wertvolle Nährstoffe | ❌ Vermeiden oder minimieren | Selbst gekochte Mahlzeiten |
Was die Wissenschaft zur Ernährung bei Anämie sagt
Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme nachweislich
Einer der am besten belegten Zusammenhänge in der Ernährungswissenschaft: Wird Vitamin C zusammen mit pflanzlichem Eisen aufgenommen, steigt dessen Verwertung um das 2- bis 6-fache. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2021 im Fachjournal Nutrients bestätigte diesen Effekt bei Menschen mit Eisenmangel.
Praktisch heißt das: Wenn du Buchweizen oder Linsen isst, gib Paprika dazu, beträufle das Gericht mit Zitronensaft oder trink ein Glas Orangensaft. Der Unterschied in der Aufnahme ist spürbar.
Kaffee und Tee „stehlen“ tatsächlich Eisen
Die verlässlichste Art wissenschaftlicher Studien – bei denen Teilnehmende gezielt in Gruppen eingeteilt und verglichen werden – zeigt: Tee zusammen mit dem Essen „raubt“ mehr als die Hälfte des Eisens aus pflanzlichen Lebensmitteln (62–64 %), Kaffee etwa ein Drittel (35–39 %). Dabei wird die Aufnahme selbst dann blockiert, wenn du Kaffee oder Tee eine Stunde vor oder nach der Mahlzeit trinkst – nicht nur währenddessen.
Praktisch heißt das: Wenn du nicht auf Kaffee verzichten willst, schiebe ihn einfach zeitlich von den Hauptmahlzeiten weg – schon das verbessert die Wirkung deiner Ernährung deutlich.
Eisen aus Fleisch wird unabhängig von „Blockern“ aufgenommen
Studien zeigen: Eisen aus Fleisch und Fisch wird über einen „eigenen Kanal“ aufgenommen und reagiert kaum auf Blocker wie Kaffee, Tee oder Milch. Pflanzliches Eisen wird davon dagegen stark beeinflusst. Das erklärt, warum Menschen, die kein Fleisch essen, ein 1,8-fach höheres Risiko für eine Eisenmangelanämie haben.
Praktisch heißt das: Wenn du vegan oder vegetarisch lebst und eine Anämie hast, braucht dein Speiseplan besonders viel Aufmerksamkeit – und wahrscheinlich zusätzlich Präparate.
Ehrlich gesagt: die Grenzen der Studienlage
Die meisten Studien zur Ernährung bei Anämie haben kleine Stichproben und laufen über 3–6 Monate. Langzeitdaten sind begrenzt. Zudem unterscheidet sich der Effekt der Ernährung auf den Hämoglobinwert je nach Anämie-Typ deutlich: Ergebnisse zur Eisenmangelanämie lassen sich nicht automatisch auf Anämien bei chronischen Erkrankungen oder Vitamin-B12-Mangel übertragen.
Wie viel Eisen brauchst du pro Tag? Referenzwerte für verschiedene Gruppen
| Gruppe | Alter | Empfohlene Zufuhr (mg/Tag) | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Kinder | 1–3 Jahre | 8 mg | — |
| Kinder | 4–6 Jahre | 8 mg | — |
| Kinder | 7–9 Jahre | 10 mg | — |
| Jugendliche (Jungen) | 13–15 Jahre | 12 mg | — |
| Jugendliche (Mädchen, menstruierend) | 13–15 Jahre | 15 mg | Erhöht durch Menstruation |
| Erwachsene Männer | ab 19 Jahren | 11 mg | — |
| Erwachsene Frauen (menstruierend) | 19–50 Jahre | 16 mg | Erhöht durch Menstruation |
| Erwachsene Frauen (postmenopausal) | ab ca. 51 Jahren | 14 mg | Nach den Wechseljahren |
| Schwangere | — | 27 mg | Erhöhter Bedarf durch Wachstum des Kindes |
| Stillende | — | 16 mg | — |
Quelle: DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung), Referenzwerte 2024; EFSA.
Zum Vergleich: Der auf Lebensmittelverpackungen verwendete Nährstoffbezugswert (NRV) für Eisen liegt EU-weit einheitlich bei 14 mg/Tag – ein Durchschnittswert für die Kennzeichnung, kein individueller Bedarfswert.
Für Eisen gibt es aktuell keinen von der EFSA offiziell festgelegten Höchstwert (Tolerable Upper Intake Level). In der Fachliteratur gelten Zufuhren von deutlich über 45–60 mg Eisen pro Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln häufig als Warnschwelle für Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden – eine hochdosierte Einnahme sollte in jedem Fall mit deinem Arzt oder deiner Ärztin abgesprochen werden.
Bei diagnostizierter Anämie kann dein Arzt dir bis zu 100–200 mg Eisen täglich in Tablettenform verschreiben – das ist 5- bis 10-mal mehr, als selbst die eisenreichste Ernährung liefern kann. Genau deshalb ist die Ernährung bei Anämie eine Unterstützung, kein Ersatz für die Behandlung.
Beispiel-Speiseplan bei Eisenmangelanämie
| Mahlzeit | Uhrzeit | Beispiel | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Frühstück | 7:30–8:30 | Haferbrei mit Wasser, Kürbiskernen + eine halbe Orange | Hafer liefert Nicht-Häm-Eisen; Orange liefert Vitamin C; Kaffee/Tee erst nach 1 Std. |
| Erster Snack | 10:30–11:00 | Handvoll Trockenaprikosen (30 g) + kleine Handvoll Cashews | Trockenfrüchte + Nüsse liefern Eisen und Energie |
| Mittagessen | 13:00–14:00 | Buchweizen + geschmortes Rindfleisch (100–120 g) + Salat aus Paprika, Tomate, Zitronensaft | Kombination aus tierischem und pflanzlichem Eisen; Vitamin C verstärkt die Aufnahme |
| Zweiter Snack | 16:00–16:30 | Smoothie: Spinat + Erdbeeren + Banane | Spinat liefert pflanzliches Eisen; Erdbeeren liefern Vitamin C |
| Abendessen | 19:00–19:30 | Ofen-Thunfisch (150 g) + Brokkoli gedünstet + Scheibe Vollkornbrot | Eisen aus Fisch; Brokkoli liefert Eisen und Vitamin C zugleich |
| Vor dem Schlafen (bei Bedarf) | 21:00 | Hagebuttentee | Vitamin C ohne Koffein; beeinträchtigt die Aufnahme nicht |
Hinweis: Dieser Speiseplan dient nur zur Orientierung. Kalorienbedarf und Zusammensetzung hängen von individuellen Bedürfnissen, dem Stadium der Anämie und Begleiterkrankungen ab. Einen konkreten Ernährungsplan solltest du gemeinsam mit deinem Arzt oder einer Ernährungsberatung erstellen.
Wochenprinzip: So bringst du Abwechslung in deinen Speiseplan
- Montag bis Freitag: Wechsle zwischen Rindfleisch, Leber (höchstens 1–2× pro Woche), Thunfisch und Linsen als Haupteisenquellen.
- Täglich: eine Portion grünes Blattgemüse (Spinat, Grünkohl, Brokkoli) + eine Vitamin-C-Quelle in derselben Mahlzeit.
- Milchprodukte: zwischen den Hauptmahlzeiten, z. B. Joghurt als Snack zwischen Frühstück und Mittagessen.
Wer bei einer „Eisen-Diät“ besonders vorsichtig sein sollte
Nicht jedes eisenreiche Lebensmittel ist für jeden gleich unbedenklich. Manche gesundheitlichen Situationen erfordern ein Gespräch mit dem Arzt, bevor du deine Ernährung umstellst.
Absolute Einschränkungen – nur unter ärztlicher Kontrolle
| Zustand | Warum gefährlich | Was stattdessen |
|---|---|---|
| Hämochromatose (erbliche Eisenspeicherkrankheit) | Überschüssiges Eisen schädigt Leber, Herz und Bauchspeicheldrüse | Ernährung nur unter Kontrolle einer Hämatologin/eines Hämatologen; Einschränkung von rotem Fleisch und Innereien |
| Thalassämie (erbliche Blutkrankheit) | Manche Formen gehen trotz Anämie mit einem Eisenüberschuss einher | Ernährungsform erst nach Blutuntersuchung und Beratung |
| Anämie bei chronischer Nierenerkrankung | Eisen kann sich anreichern; die Zufuhr muss kontrolliert werden | Ernährung wird von der Nephrologin/dem Nephrologen festgelegt |
Relative Einschränkungen – sprich mit deinem Arzt
| Zustand | Warum wichtig | Empfehlung |
|---|---|---|
| Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) | Gestörte Aufnahme; große Mengen eisenreicher Lebensmittel können den Darm reizen | Ernährung mit Gastroenterologin/Gastroenterologe abstimmen |
| Schwangerschaft | Der Eisenbedarf steigt stark; Form und Dosierung der Präparate legt die Gynäkologin/der Gynäkologe fest | Nimm Eisenpräparate nicht eigenmächtig über die verschriebene Dosis hinaus ein |
| Kinder unter 3 Jahren | Ein Eisenüberschuss durch Präparate kann toxisch wirken | Ernährung wird von der Kinderärztin/dem Kinderarzt begleitet |
| Typ-2-Diabetes | Manche Studien deuten darauf hin, dass Eisenüberschuss aus Fleisch die Insulinwirkung verschlechtern kann | Fokus auf pflanzliche Quellen; mit dem Arzt besprechen |
Bist du dir unsicher? Dann lass dich beraten, bevor du deine Ernährung umstellst – nicht erst, wenn Beschwerden auftreten.
Wer besonders auf seinen Eisenspiegel achten sollte
Frauen im gebärfähigen Alter
Während der Menstruation verliert eine Frau monatlich 20 bis 80 ml Blut – das entspricht einem Teelöffel bis zu einem Drittel eines Glases. Mit dem Blut gehen 10–30 mg Eisen verloren: Zum Vergleich – der tägliche Eisenbedarf einer Frau liegt bei 16 mg. Bei einer sehr starken Menstruation (mehr als 80 ml oder länger als 7 Tage) steigt das Risiko für einen Eisenmangel deutlich.
Für diese Gruppe gilt: täglich sowohl tierische als auch pflanzliche Eisenquellen einplanen, immer kombiniert mit Vitamin C. Bei starker Regelblutung lohnt sich eine Ferritin-Bestimmung (ein Wert für die Eisenspeicher im Körper) – nicht erst, wenn Beschwerden auftreten.
Schwangere
Der Eisenbedarf steigt in der Schwangerschaft von 11 auf 27 mg täglich – durch die Entwicklung von Kind und Plazenta sowie das steigende Blutvolumen der Mutter. Laut WHO sind weltweit rund 38 % der Schwangeren von Anämie betroffen.
Die Ernährung ist eine wichtige Grundlage, doch in den meisten Fällen wird schwangeren Frauen zusätzlich ein Eisenpräparat ab dem ersten Trimester empfohlen. Dosis und Form legt dein Arzt oder deine Ärztin fest.
Vegetarierinnen und Veganerinnen
Pflanzliches Eisen wird deutlich schlechter aufgenommen als tierisches – das lässt sich aber ausgleichen. Praktische Tipps: iss täglich Hülsenfrüchte (Linsen sind die beste Wahl), kombiniere sie immer mit Vitamin C, vermeide Tee und Kaffee zu eisenreichen Mahlzeiten, und lass einmal jährlich deinen Ferritinwert bestimmen. Bei einem bestätigten Mangel reicht pflanzliche Ernährung allein meist nicht aus – dann sind Präparate nötig.
Sportlerinnen und Sportler (besonders Läuferinnen und Läufer)
Intensives Training erhöht den Eisenbedarf: Eisen wird für die Bildung von Myoglobin gebraucht – einem Protein, das Sauerstoff direkt im Muskel speichert – und für die Regeneration nach Belastung. Läuferinnen und Läufer haben ein spezielles Problem: Bei jedem Schritt auf hartem Untergrund werden rote Blutkörperchen durch die Erschütterung buchstäblich „aufgesprengt“ – dadurch geht zusätzlich Eisen verloren.
Sportlerinnen und Sportlern wird empfohlen: den Anteil an rotem Fleisch und Fisch im Speiseplan erhöhen, zweimal jährlich Ferritin- und Hämoglobinwerte kontrollieren lassen.
Ältere Menschen (65+)
Mit dem Alter produziert der Magen weniger Säure – genau diese Säure „löst“ Eisen aus der Nahrung und bereitet es für die Aufnahme vor. Weniger Säure bedeutet weniger Eisen im Blut, selbst bei richtiger Ernährung. Gleichzeitig sinkt oft der Fleischkonsum – durch veränderten Geschmack, weniger Appetit oder finanzielle Gründe.
Empfehlung für diese Gruppe: weiche, eisenreiche Gerichte (Schmorfleisch, Fisch, Leberpastete), Hülsenfrüchte als Suppe oder Püree, eine jährliche Ferritin-Kontrolle beim Check-up.
Häufige Irrtümer und Mythen rund um die Ernährung bei Anämie
Buchweizen mit Äpfeln heilt Anämie
Dieser Mythos hält sich seit Jahrzehnten in der Volksmedizin. Buchweizen enthält tatsächlich Eisen – 2,2 mg pro 100 g im rohen Zustand. Aber es gibt drei Einschränkungen: Erstens handelt es sich um pflanzliches Eisen mit geringer Verwertung. Zweitens liefert gekochter Buchweizen deutlich weniger Eisen als roher – nur etwa 0,8 mg pro 100 g fertiges Gericht. Drittens sind Äpfel, entgegen der landläufigen Meinung, arm an Eisen – etwa 0,1–0,2 mg pro 100 g, praktisch vernachlässigbar.
Buchweizen ist ein gesundes Lebensmittel und Teil einer Ernährung bei Anämie, heilt sie aber weder allein noch bremst er sie spürbar. Es braucht einen Mix aus verschiedenen Lebensmittelgruppen.
Eisen aus Pflanzen ist genauso gut wie aus Fleisch
Klingt fair, stimmt aber nicht. Es geht nicht darum, wie viel Eisen im Essen steckt, sondern wie viel davon wirklich ins Blut gelangt. Eisen aus Fleisch und Fisch wird zu 15–35 % aufgenommen, aus Pflanzen nur zu 2–10 %. Zusätzlich hängt die Aufnahme von pflanzlichem Eisen stark davon ab, was du dazu isst – Tee, Kaffee und Milch können sie halbieren.
Das ist kein Grund, pflanzliche Quellen zu ignorieren, aber ein guter Grund für Veganerinnen, Veganer, Vegetarierinnen und Vegetarier, ihrer Ernährung besondere Aufmerksamkeit zu schenken und regelmäßig ihre Blutwerte checken zu lassen.
Je mehr eisenreiche Lebensmittel, desto besser
Bei Mineralstoffen gilt: mehr ist nicht automatisch besser. Überschüssiges Eisen lagert sich in Leber, Herz und Bauchspeicheldrüse ab und kann ernsthafte Organschäden verursachen – besonders bei Menschen mit einer erblichen Veranlagung zur Eisenüberladung. Eisenpräparate solltest du deshalb nur nach Absprache mit deinem Arzt einnehmen, nicht „vorsorglich“ auf eigene Faust.
Leber sollte man täglich essen – sie hat schließlich am meisten Eisen
Rinderleber ist tatsächlich Spitzenreiter: 4–9 mg Eisen pro 100 g, dazu jede Menge Vitamin B12 und Folsäure. Sie enthält aber auch sehr viel Vitamin A: 100 g liefern mehrere Tagesdosen. Ein Übermaß an Vitamin A schadet der Leber und ist besonders in der Schwangerschaft riskant – es erhöht das Risiko für Fehlbildungen beim ungeborenen Kind.
Optimale Häufigkeit: 1–2 Portionen pro Woche reichen völlig aus.
Fazit
Ernährung bei Anämie ist kein strenges Diätprogramm und keine Liste voller Verbote. Es sind ein paar klare Prinzipien: Eisen täglich, Vitamin C zu jeder pflanzlichen Eisenquelle, Kaffee und Milchprodukte getrennt von eisenreichen Mahlzeiten. Ein abwechslungsreicher Speiseplan mit rotem Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchten, grünem Gemüse und Nüssen gibt deinem Körper alles, was er für die Erholung braucht.
Wichtig zu wissen: Ist die Anämie durch Blutwerte bestätigt, ist die Ernährung eine Unterstützung – kein Ersatz für die Behandlung. Vom Arzt verschriebene Eisenpräparate füllen die Speicher deutlich schneller auf als die Ernährung allein. Der Speiseplan hilft dabei, ihre Wirkung zu verstärken, das Ergebnis zu festigen und den Eisenspiegel nach Abschluss der Therapie zu halten.
Hast du den Verdacht auf einen Eisenmangel? Dann ist der erste Schritt nicht „mehr Buchweizen essen“, sondern ein Ferritin-Test und ein Gespräch mit deinem Arzt. Die richtige Ernährung bei Anämie beginnt mit einem genauen Verständnis, um welche Art von Anämie es sich handelt und wie ausgeprägt der Mangel ist.
